Eisenmangel: Warum so viele Frauen betroffen sind
Ständig müde, Haare im Abfluss, kalte Hände: Eisenmangel ist bei Frauen verbreitet und wird trotzdem oft übersehen. Was dahintersteckt und was hilft.

Du schläfst acht Stunden und bist trotzdem erschöpft. Die Treppe in den dritten Stock fühlt sich an wie eine Bergetappe, beim Haarewaschen bleibt auffällig viel in der Hand, und warm wird dir eigentlich nur noch unter der Bettdecke. Lange schiebst du es auf Stress, auf den Winter, auf das Leben.
Manchmal steckt etwas ziemlich Konkretes dahinter: ein Eisenmangel. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation ist er weltweit der häufigste Nährstoffmangel, und Frauen im gebärfähigen Alter gehören zu den am stärksten betroffenen Gruppen. Die Gründe dafür sind zum großen Teil biologisch.
Wofür dein Körper Eisen braucht
Eisen ist ein zentraler Baustein des Hämoglobins, des roten Blutfarbstoffs. Hämoglobin transportiert Sauerstoff von der Lunge in jede Zelle des Körpers. Fehlt Eisen, kommt dort weniger Sauerstoff an, und das spürst du überall: in den Muskeln, im Kopf, in deiner Belastbarkeit.
Darüber hinaus ist Eisen an vielen weiteren Prozessen beteiligt, etwa an der Energiegewinnung in den Zellen, an der Immunabwehr und an der Bildung von Botenstoffen im Gehirn. Der Körper speichert Eisen vor allem in Form von Ferritin, unter anderem in Leber und Knochenmark.
Warum Frauen so oft betroffen sind
Der Körper kann Eisen nicht selbst herstellen und verliert es vor allem über Blut. Damit ist der wichtigste Grund schon benannt: die Menstruation. Mit jeder Periode geht Eisen verloren, Monat für Monat. Ist die Blutung stark oder lang, kann die Ernährung den Verlust oft nicht vollständig ausgleichen.
Dazu kommen weitere Situationen, in denen der Bedarf steigt oder die Aufnahme sinkt:
- Schwangerschaft und Stillzeit: Der Eisenbedarf steigt deutlich, weil das Kind mitversorgt wird und das Blutvolumen zunimmt.
- Vegetarische oder vegane Ernährung: Eisen aus Pflanzen wird schlechter aufgenommen als Eisen aus Fleisch. Ein Mangel ist dabei kein Muss, aber die Zusammenstellung der Mahlzeiten wird wichtiger.
- Intensiver Ausdauersport: Er kann den Eisenverlust und -bedarf erhöhen.
- Häufiges Blutspenden.
- Erkrankungen des Verdauungstrakts: Zöliakie oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen können die Aufnahme stören, unbemerkte Blutungen im Magen-Darm-Trakt den Verlust erhöhen.
- Bestimmte Medikamente, etwa Mittel, die die Magensäure dauerhaft senken.
Deshalb empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung menstruierenden Frauen eine höhere tägliche Eisenzufuhr als Männern.
Mit jeder Periode verliert der Körper Eisen, und die Speicher leeren sich oft so langsam, dass man sich an die Erschöpfung gewöhnt.
Woran du einen Mangel erkennen kannst
Eisenmangel entwickelt sich meist schleichend. Zuerst leeren sich die Speicher, erst später sinkt das Hämoglobin. Viele Beschwerden treten schon im ersten Stadium auf. Typisch sind:
- anhaltende Müdigkeit und geringe Belastbarkeit
- Blässe, Kurzatmigkeit und Herzklopfen bei Anstrengung
- Konzentrationsprobleme und Kopfschmerzen
- vermehrter Haarausfall, brüchige Nägel, eingerissene Mundwinkel
- Frieren, besonders an Händen und Füßen
- unruhige Beine am Abend, das sogenannte Restless-Legs-Syndrom
Keines dieser Symptome ist für sich genommen eindeutig. Gerade Müdigkeit kann viele Ursachen haben, von einer Schilddrüsenunterfunktion bis zu Schlafproblemen. Eine Selbstdiagnose ist deshalb keine gute Idee.
Was die Blutwerte verraten
Der Eisenstatus lässt sich mit einer einfachen Blutuntersuchung klären. Wichtig ist dabei, dass nicht nur das Hämoglobin bestimmt wird. Ist es niedrig, spricht man von einer Blutarmut, einer Anämie. Ein normaler Hämoglobinwert schließt einen Eisenmangel aber nicht aus, denn die Speicher können bereits leer sein, bevor die Blutbildung leidet.
Deshalb wird meist zusätzlich das Ferritin gemessen, das die gespeicherte Eisenmenge widerspiegelt. Ein Haken: Bei Entzündungen oder Infekten kann Ferritin erhöht sein und einen Mangel verschleiern. Ärztinnen ziehen dann weitere Werte hinzu, etwa die Transferrinsättigung oder Entzündungsmarker.
Was hilft und was du beachten solltest
Bei einem leichten Mangel oder zur Vorbeugung lohnt sich ein Blick auf die Ernährung. Gute Eisenquellen sind Fleisch und Fisch, aber auch Hülsenfrüchte, Vollkorngetreide, Haferflocken, Nüsse, Samen und grünes Blattgemüse.
Wie viel Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln tatsächlich ankommt, lässt sich beeinflussen:
- Vitamin C verbessert die Aufnahme. Paprika, Zitrusfrüchte oder Beeren zur Mahlzeit sind deshalb eine gute Kombination.
- Kaffee und schwarzer Tee hemmen die Aufnahme. Trinke sie lieber mit etwas Abstand zum Essen.
- Auch Calcium, etwa aus Milchprodukten, kann die Aufnahme bremsen, wenn es zeitgleich verzehrt wird.
Ist der Mangel ausgeprägter, reicht die Ernährung meist nicht aus. Dann verordnen Ärztinnen Eisenpräparate zum Einnehmen, bei bestimmten Voraussetzungen auch Infusionen. Tabletten können Nebenwirkungen wie Übelkeit, Verstopfung oder dunklen Stuhl verursachen. Bis sich die Speicher wieder füllen, dauert es meist mehrere Monate.
Wichtig: Nimm Eisen nicht auf Verdacht ein. Zu viel Eisen kann dem Körper schaden, und eine Selbstbehandlung kann eine eigentliche Ursache verdecken, etwa eine Blutung, die abgeklärt werden sollte. Wenn starke Perioden der Grund sind, gehört auch die Behandlung der Blutung selbst dazu.
Wann zur Ärztin?
Lass deine Eisenwerte prüfen, wenn du dich über Wochen erschöpft fühlst, ohne einen klaren Grund zu kennen, oder wenn mehrere der genannten Symptome zusammenkommen. Sprich deine Ärztin außerdem an, wenn:
- deine Periode sehr stark ist oder länger als sieben Tage dauert,
- du schwanger bist oder es werden möchtest,
- du dich vegan ernährst und deine Werte noch nie überprüft wurden,
- du Blut im Stuhl oder schwarzen Stuhl bemerkst, ohne Eisen einzunehmen.
Quellen
- WHO: Anaemia
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte Eisen
- gesundheitsinformation.de (IQWiG): Eisenmangel und Eisenmangelanämie
- NHS: Iron deficiency anaemia

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Weiterlesen →Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Beschwerden wende dich bitte an deine Ärztin oder deinen Arzt.


